Wenn man sich die allgemeine Meinung über die zu verwendende Ölsorte beim Auto so anhört, dann trifft man auf eine große Meinungsvielfalt.
Welche Ölsorte verträgt denn nun ein Auto? Schauen wir mal auf die Hintergründe und suchen nach Fakten um Licht ins Dunkel der Meinungsvielfalt zu bekommen.
Viele Autofahrer vertreten die Theorie, dass die heute angebotenen Motorenöle alle so gut sind, dass man bedenkenlos alle Ölsorten einfach in den Motor kippen kann. So unter dem Motto: Der hält das schon aus!
Auf einen Wagen wie z.B. den Opel Kadett C traf dies sicherlich zu. 1,6 Liter und 75 PS. Im Motorraum noch so viel Platz, dass man bequem jede Wartungsarbeit durchführen konnte. Ein Unterboden kannte man nicht. Von oben hatte man am Motor vorbei freie Sicht auf den Asphalt.
Was hat das nun mit dem verwendeten Öl zu tun? Bei flüchtiger Betrachtung: nichts. Bei genauem Hinsehen sehr viel. Nehmen wir doch mal die heutigen Dieseltriebwerke. 1,9 Liter und 150 PS sind dabei keine Seltenheit mehr, ja eigentlich die Regel mit sehr hohen Laufleistungen. D.h. eine Verdoppelung der Leistung bei gerade mal 19% mehr Hubraum! Dazu kommt, das Unterböden zwecks besserer Aerodynamik vollkommen verkleidet sind und ein heutiger Motorraum räumlich ausgelastet ist mit Nebenaggregaten wie Klimaanlage, Servolenkung, ABS und Sonstigem.
Nun sind wir wieder beim Bauraum, warum? Während der Motor im Kadett rundum mit kühler Luft umströmt wurde, kommt bei heutigen Pkws an manche kritischen Punkte kein Lüftchen mehr an. Die Kühlung ist bei den viel höher belastenden Motoren der heutigen Zeit ein Grundproblem des Motorenöls. Zu Beginn der Turbo-Diesel-Motoren gingen im täglichen Betrieb sehr viele Turbolader defekt, weil die Ölleitungen zu den Lagerstellen verkokelt waren. Was passierte da? Wenn ein solcher Motor stark belastet und dann schlagartig abgestellt wurde, dann war der Lader noch so heiß, dass in der Zuleitung zu den Lagern das Öl regelrecht verkochte. Passierte dies öfter, dann war die Leitung zu und der Lader ging defekt.
Nun haben synthetische Öle die Eigenschaft, dass sie unter anderem einen höheren Siedepunkt haben können und später zum Verkokeln neigen. Zu der ganzen Problematik von höherer Belastung und weniger Kühlung kommen auch noch die Wartungsintervalle. Wollte das Serviceheft eines Opels früher noch alle 7500km einen Kundendienst, so sind heute 20000-25000 km keine Seltenheit mehr, die Tendenz geht hier deutlich nach oben.
Alle bisher aufgeführten Argumente führen schon langsam darauf hin, dass die vielen Versuche der Automobilhersteller und die verschiedenen Herstellernormen wohl nicht dazu dienen, um Heerscharen von Ingenieuren zu beschäftigen, sondern Ihrem Auto ein langes Motorenleben zu sichern.
Wird nun aber der Ölwechsel in der eigenen Garage unmöglich? Nein, das sicher nicht. Man muss nicht beim Mercedes, VW oder sonstigem Händler ein überteuertes Öl einfüllen lassen. Man kann im Benutzerhandbuch nachschauen welche Ölsorte das Auto verträgt und welcher Herstellernorm dieses entsprechen muss. Steht die betreffende Norm ausdrücklich auf der Verpackung, kann eigentlich nichts passieren. Wenn nicht, dann lassen Sie bitte die Finger davon, Ihr Motor wird es Ihnen danken. Falls Sie zweifeln und nicht sicher sind, dann ist der Gang zum Fachhändler immer noch günstiger als ein Austauschmotor oder ein defekter Turbolader.
Übrigens: Vorsicht bei Motorenölen von und für Motorräder.
Da bei den meisten Motorrädern das Getriebe und die Kupplung mit im Motorenöl laufen, muss das Öl auch darauf mit Additiven abgestimmt werden. Motorenöl des Autos in ein Motorrad zu kippen, kann in einer schleifenden Kupplung enden. Vor allem bei leistungsstarken Motorrädern.
Fazit:
Bei heutigen, modernen Fahrzeugen immer eine Ölsorte verwenden, welche der vorgeschriebenen Norm entspricht
Fahrzeuge mit Turbolader nach hoher Belastung nicht sofort abstellen, sondern einige Sekunden abkühlen lassen
Die Öle müssen nicht zwingend von dem Fahrzeughersteller sein, sollten aber die Herstellernorm erfüllen